McKINSEY-Studie - Personaldienstleistung
McKINSEY-Studie beweist klar: Personaldienstleister könnten bis 2010 weitere 4 Mio. neue Arbeitsplätze schaffen. Zwischen 1996 und 1999 schuf die Branche bereits 11 % der neuen Arbeitsplätze in der EU – Tendenz weiter steigendBRÜSSEL / WIEN.
Die Untersuchung ihres gesellschaftspolitischen Auftrages und der daraus folgenden Konsequenzen stand im Mittelpunkt einer von der internationalen Vereinigung der großen privaten Personaldienstleister „CIETT“ bei McKINSEY und DELOITE in Auftrag gegebenen und vor wenigen Tagen in BRÜSSEL präsentierten Studie. Als Unterstützer, Betreiber wie auch Studienobjekte dieser richtungsweisenden Untersuchung fungierten Branchengrößen: allen voran die auch in Österreich vertretene und am Weltmarkt führende ADECCO-Gruppe, der Branchenzweite MANPOWER, die niederländische RANDSTAD, VEDIOR, KELLY SERVICES - um nur einige zu nennen. Der Österreichische Verband für Zeitarbeit, dem 27 seriöse österreichische Personaldienstleister angehören, geht mit den in der Studie geäußerten Ansichten konform: Gerade im Vorfeld der EU-Erweiterung sieht die freiwillige Interessensvertretung in der Einbindung der Personaldienstleister den einzigen real funktionierenden Ansatzpunkt für zukünftige arbeitsmarktpolitische Problemlösungen.
Dramatische Entwicklung der Arbeitslosenzahlen in Europa
Parallel zum steigenden sektoralen Wohlstand entwickelte sich die Arbeitslosigkeit im Europaschnitt von 3% 1972 auf 10% im Jahr 1999 dramatisch. Als Gründe dafür werden gemeinhin die europaweiten Verschiebungen der Wirtschaftssektoren verantwortlich gemacht. Während nach der Landwirtschaft nun in den letzten Jahren auch die Industrie massiv Arbeitskräfte freisetzt, ist der Dienstleistungsbereich in vielen Ländern Europas noch drastisch unterentwickelt. Diese alarmierende Verdreifachung der Arbeitslosigkeit veranlasste die EU am Beschäftigungsgipfel im März 2000 die Mitgliedsstaaten anzuhalten, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um die Beschäftigungsquoten von 60 auf 70 % anzuheben und so die Arbeitslosigkeit auf einen Schnitt von 4 % zu senken. Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass die einzelnen nationalen Regierungen durch arbeitsmarktpolitische Interventionen alleine dieses Ziel nicht erreichen werden können. Einen kompetenten, strategischen Problemlösungspartner ortet die Studie in großen, international agierenden Personaldienstleistungsunternehmen: Nur sie können ein massives Unterstützungspotential im Kampf um Beschäftigungsquoten anbieten.
Mobilität der Arbeitskräfte
Die Studie stellt klar in den Vordergrund, dass die Mobilität der Arbeitskräfte eine fixe Notwendigkeit am Arbeitsmarkt von morgen darstellen wird. Unter die im Bericht zitierte Mobilität fällt nicht nur die Überwindung von räumlichen Distanzen sondern vielmehr noch die Bereitschaft des Arbeitnehmers in einen anderen Wirtschaftssektor zu wechseln. Konkret sehen die Autoren die zwingende Notwendigkeit für viele der zur Zeit noch in der Industrie tätigen Arbeitnehmer in absehbarer Zukunft in das Lager der Dienstleister zu wechseln.
Je strenger die gesetzlichen Rahmenbedingungen um so mehr Outsider am Arbeitsmarkt
Die Autoren stimmen weiters einer Feststellung der OECD zu, welche besagt, dass ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Strenge der Gesetzgebung zum Beschäftigungsschutz und der Menge an Outsidern, also einer Gruppe der typischerweise Arbeitsuchenden, feststellbar ist - ein Paradoxon, dem es entgegenzuwirken gilt. Die Studie kommt zum Schluss, dass gerade hier die großen Personaldienstleister in der Lage wären als wirkungsvoller Hebel anzusetzen. Gegenwärtig können neben der öffentlichen Hand keine anderen Institutionen der Gruppe der Outsider einen systematisierten und effektiven Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglichen.
Paradebeispiel Niederlande: erfolgreiche, flexible Arbeitsmarktpolitik in Zusammenarbeit mit privaten Personaldienstleistern
Nach Jahren der ernsthaften Probleme können sich die Holländer über eine sensationell geringe Arbeitslosenquote von nur rund 3%, einen gestiegenen Wohlstand sowie auch über drastisch zurückgegangene Budgetbelastungen aus dem Titel Arbeitslosigkeit freuen. Der vor Jahren erfolgte Schulterschluss zwischen staatlichen Einrichtungen und privaten Personaldienstleistern trägt jetzt seine Früchte. Frankreich und Italien dagegen müssen 11% Arbeitslosigkeit verkraften, Spanien sogar 16,8%. Weiterer negativer Nebeneffekt der hohen Arbeitslosigkeit ist unweigerlich ein massiver Anstieg der Schwarzarbeit, was den Staatshaushalt weiter schädigt.
Imagedenken: je scheinbar freizügiger die Lebensformen um so wertkonservativer das Arbeitsplatzdenken
Entgegen den allgemeinen Vermutungen kommen die Autoren der Studien zur Erkenntnis, dass speziell in südlichen Ländern auf einer Tätigkeit für Personaldienstleister ein bezeichnend schlechteres Image lastet. Gerade in diesen Wirtschaftsräumen erscheinen die Gesetze zum Beschäftigungsschutz wie auch die legistischen Einschränkungen für Personaldienstleister signifikant strenger. Aber auch die derzeitigen Arbeitslosenzahlen sind wesentlich höher als beispielsweise im ehemals „übersozialisierten“ Norden oder in Großbritannien. Daher liegt die Empfehlung der Autoren an die nationalen Regierungen nahe, den Personaldienstleistern mehr Bewegungsfreiraum auf den jeweiligen nationalen Märkten zu ermöglichen. Eine in der EU ansatzweise einheitliche Gesetzgebung ist derzeit jedoch nicht in Sicht.
Flexibilitätsbedürfnis auf beiden Seiten stark ansteigend
Der Wettbewerbsvorteil von Unternehmen, die auf Basis einer flexiblen Personalpolitik am Markt agieren, steht außer Zweifel. Die Autoren prognostizieren in Europa gerade bei bisher starr wirkenden Wirtschaftszweigen - allem voran die Automobilindustrie oder das Bankenwesen udg. - aber auch bei KMUs und Neugründungen einen massiven bzw. enorm ansteigenden Bedarf nach flexiblen Personal-Lösungen. Ein in den USA bereits nahezu vollständig ausgereiztes Flexibilitätsszenario lässt sich jedoch nicht auf den europäischen Arbeitnehmer umlegen. Dies würde unweigerlich massive soziale Konflikte, Migrationsbewegungen und daraus resultierende politische Instabilitäten hervorrufen. Laut Studie ist auf der anderen Seite ein signifikantes Ansteigen der aktiv formulierten Flexibilitätswünsche auch unter den untersuchten europäischen Arbeitnehmer in ihren jeweiligen Heimatmärkten zu verzeichnen. Dies betrifft im Schwergewicht 3 Personengruppen:
- Junge Menschen
- Frauen mit betreuungspflichtigen Kindern
- ältere Arbeitnehmer als relativ neue Gruppe,
- die vor einigen Jahren den damals noch leichten Schritt in eine zu diesem Zeitpunkt noch wesentlich höher dotierte Frühpension genommen hätten,
- heute aber noch am aktiven Erwerbsleben teilnehmen wollen, um noch entsprechende Beitragsjahre erwerben zu können und somit keine gravierenden Einkommenseinbußen im realen Ruhestand hinnehmen zu müssen.
- die vor einigen Jahren den damals noch leichten Schritt in eine zu diesem Zeitpunkt noch wesentlich höher dotierte Frühpension genommen hätten,
Man kommt in diesem Punkt zum Schluss, dass eine sorgfältige Balance zwischen den Flexibilitätsbedürfnissen der Wirtschaft und derer der Arbeitnehmer von größter Bedeutung für das Erreichen einer Vollbeschäftigung und daher auch für eine Wahrung des sozialen Friedens in Europa sein wird. Die optimalen Moderatoren zwischen beiden Interessensgruppen könnten laut Studie die großen Personaldienstleister darstellen.
Sprungbrett zu einem „herkömmlichen“ Beschäftigungsverhältnis
53% der in den Niederlanden bei Personaldienstleistern tätigen Menschen nutzen innerhalb des ersten Jahres ihre Stellung als Sprungbrett in ein „herkömmliches“ Arbeitsverhältnis. Die Studie zeigt in diesem Zusammenhang auf, dass Personaldienstleister durch diese Sprungbrettwirkung bereits heute einen wesentlichen gesellschafts- wie arbeitsmarkt- und daher auch sozialpolitischen Auftrag erfüllen können, so die gesetzlichen Rahmenbedingungen eine Praxis wie diese gestatten. Für die nächsten Jahre orten die Autoren den Kernauftrag an die Personaldienstleister darin, für alle Gesellschaftsschichten einen sicheren, dabei auch noch sehr flexiblen Zugang zum Arbeitsmarkt sicherzustellen.
Personaldienstleister: keine „Arbeitsplatzfresser“
Generell kommt die Studie zur Erkenntnis, dass Personaldienstleister nur in einer verschwindend geringen Anzahl von Fällen „herkömmliche“ Arbeitnehmer ersetzen. Vorrangig erbringen die vermittelten Arbeitskräfte Leistungen, die anderwärtig nicht oder nur im Zuge interner Flexibilitätslösungen verrichtet worden wären. Zweitere Lösung hätte aber sonst keine Steigerung des Beschäftigungsgrades nach sich gezogen. Daher orten die Autoren bei den Personaldienstleistern eine äußerst wichtige beschäftigungs- und einkommenspolitische Funktion in den jeweiligen Volkswirtschaften der Zukunft.
Selbstregulierungsprozess in der Personaldienstleitungsbranche notwendig
Die Autoren sehen analog zu Prozessen in anderen Wirtschaftszweigen vorerst die Notwendigkeit eines Selbstregulierungsprozesses der Branche, um eine maximale Funktionalität erreichen zu können. In den nationalen Märkten ist dieses Gewerbe durch eine ständig steigende Anzahl von mit Masse kleinen Anbietern geprägt, die bedauerlicherweise auch teilweise fragwürdige Praktiken zur Anwendung bringen. Als primäres Ziel des Vorganges der Selbstregulierung nennt die Studie eine nachhaltige generelle Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Vermittlungsarbeitskräften. Die Autoren vertreten die Ansicht, dass dies - entgegen ursprünglicher Meinungen - nur nach einer Lockerung der gesetzlichen Rahmenbedingungen erfolgen kann.
Potential von 4 Millionen neuen Arbeitsplätze bis 2010
Gegenwärtig stellen in der EU Personaldienstleister täglich 2,2 Mio. Arbeitskräfte der Wirtschaft zur Verfügung - das sind 1,5 % aller in der EU beschäftigten Arbeitnehmer. Für 2010 prognostizieren die Autoren der Studie eine Leistungsfähigkeit der Branche von ca. 6,5 Mio. Arbeitnehmer täglich. Dies würde 4 Mio. Jobs oder 11% der notwendigen neue Arbeitsplätze für Europa bedeuten.


