Mittwoch, 22. September 2004

EU Osterweiterung: Chancen und Risiken für die Zeitarbeit

Kategorie: Presse Archiv

Europa wächst langsam aber sicher zusammen und damit wagen auch die heimischen Personalbereitsteller immer öfter einen Blick über die verheißungsvolle Grenze.

Besonders die acht neuen zentral- und osteuropäischen Beitrittsländer ziehen das Interesse der Arbeitskräfteüberlasser auf sich. International agierende Unternehmen wie Manpower und Trenkwalder haben bereits in den 90er Jahren in Ungarn Fuß gefasst und ihre Standorte mittlerweile auch auf Tschechien, die Slowakei, Polen und Slowenien ausgedehnt.

Die Chancen
Die Erweiterung der europäischen Union hat den Arbeitskräfteüberlassern ein breites Spektrum an Möglichkeiten eröffnet, davon ist auch der Österreichische Verband Zeitarbeit und Arbeitsvermittlung, die Dachorganisation der österreichischen Zeitarbeitsunternehmen, überzeugt. “In den meisten osteuropäischen Staaten steckt die Personalbereitstellung noch in den Kinderschuhen,“ meint VZa-Vizepräsident Ing. Hermann RANTASA. “Diese Länder bergen deshalb ein immenses Potenzial für alle international ausgerichteten Zeitarbeitsunternehmen.“

Darüber hinaus punktet der Osten mit gut ausgebildeten Fachkräften. „In etwa 4 bis 5 Jahren, wenn in Österreich mit einem akuten Arbeitskräftemangel gerechnet werden muss, werden diese Fachkräfte eine wichtige Ressource für die heimische Wirtschaft darstellen.“ so RANTASA.

Die Risiken
Die Auswirkungen der voranschreitenden Globalisierung sind jedoch auch in umgekehrter Richtung deutlich spürbar und stellen die heimischen Personalbereitsteller vor völlig neue Anforderungen. „In den kommenden Jahren werden immer mehr ausländische Zeitarbeitsunternehmen ihre Leistungen auch in Österreich anbieten“, meint VZa Präsidentin Dr. Viktoria TISCHLER. „Der Wettbewerbsdruck auf dem heimischen Zeitarbeitsmarkt wird sich dadurch deutlich verschärfen.“

Auch das gefürchtete „Lohndumping“ ist in einigen Ländern, wie beispielsweise Schweden, schon voll im Gange: neue Zeitarbeitsunternehmen schießen dort wie die Pilze aus dem Boden, heimische Arbeitnehmer werden durch die Überlassung von Billigarbeitskräften aus dem Osten ins Abseits konkurriert.

“Dass die Europäische Union durch die Erweiterung heterogener und komplexer geworden ist, lässt sich nicht leugnen,“ meint Dr. TISCHLER. „Und dennoch, langfristig gesehen, werden sich nicht diejenigen Unternehmen durchsetzen, die die billigsten Arbeitskräfte anbieten, sondern vielmehr jene, die seriöse und qualitativ hochwertige Dienstleistungen erbringen.“

Neue Aufgaben für den VZa

„Vor dem Hintergrund des wachsenden Wettbewerbsdruckes wird die Qualitätssicherung innerhalb der heimischen Zeitarbeitsbranche weiterhin ein vordringliches Anliegen des VZa bleiben,“ bekräftigen TISCHLER und RANTASA. „Zusätzlich gilt es jedoch auch die neuen Länder als Partner zu gewinnen, um europaweit mehr für die Zeitarbeit erreichen zu können.„

In den neuen Beitrittsstaaten gibt es – mit Ausnahme von Polen – noch keine vergleichbaren Dachverbände für Zeitarbeitsunternehmen. Der VZa möchte diesen Ländern deshalb Hilfestellung bei Gründung und Aufbau dieser wichtigen Institutionen geben. 


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