VZa bringt Wende im Kampf gegen Pflegenotstand
Die ÖsterreicherInnen werden älter, die alljährliche Grippewelle steht vor der Tür und der Pflegebedarf steigt weiter an...
Mit dem seit 6. Juli 2005 beschlossenen Gesundheits- und Krankenpflegegesetz für Arbeitskräfteüberlasser ist dem Österreichischen Verband für Zeitarbeit (VZa) ein erster Schritt aus der Misere im Kranken- und Pflegebereich gelungen. Auch die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) ist offenbar von den Vorteilen der heimischen Arbeitskräfteüberlasser überzeugt, ganz zur Freude des VZa.
VZa-Präsidentin Dr. Viktoria Tischler: „Der Pflegenotstand in Österreichs Krankenanstalten und Pflegeheimen steigt unaufhörlich. Die Zeit für einen innovativen Weg der Arbeitskräfteüberlasser war deshalb schon lange reif, um dem Pflegenotstand zu Leibe zu rücken.“ Das neue Gesetz kommt für Dr. TISCHLER damit auch einer jahrelangen Forderung der ÖGB Fachgruppenvereinigung für Gesundheitsberufe nach. Die Vertreter dieser Fachgruppe haben sich immer wieder für die Vermeidung von Überstunden sowie die Schaffung flexibler Dienstzeiten und die gesetzlich abgesicherte Überlassung von Pflegepersonal eingesetzt.
Gewerkschaft auf Seite der Arbeitskräfteüberlasser
Auch für Johann Hable, Vorsitzender der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) ist das neue Gesundheits- und Krankenpflegegesetz ein Fortschritt für den Gesundheits- und Krankenpflegebereich. Immerhin gilt es in den nächsten fünf Jahren einen Bedarf von ca. 40.000 diplomierten Gesundheits- und KrankenpflegerInnen zu decken. Die Arbeitskräfteüberlassung sieht er als willkommene Chance, um das Personal-Defizit abzubauen. Hable: „Wir würden uns wünschen, dass die Österreichischen Arbeitskräfteüberlasser dieses Manko in Zukunft kompensieren, indem Sie qualifiziertes Personal rekrutieren." Für ihn wird ein rechtzeitiges Reagieren auf hausinternen Personalbedarf in Zukunft kein Problem sein, „nachdem jetzt jedes Landes- und Gemeindespital Leiharbeitskräfte einsetzen kann." Als Direktor der OÖ Landespflegeeinrichtung Schloss Haus, hat er die Entwicklung auf diesem Sektor schon lange aus nächster Nähe beobachtet. Die Entwicklung aus der Misere sei aber noch lange nicht abgeschlossen.
VZa-Vizepräsident Ing. Hermann RANTASA warnt vor zu hohen Erwartungshaltungen, blickt aber optimistisch in die Zukunft: „Wir werden zwar nicht die ganze Differenz abdecken können, wir werden uns aber zu einem wichtigen Arbeitgeber entwickeln, der in der Lage sein wird, die unterschiedlichen Anforderungen unter einen Hut zu bringen."
Zahlen und Fakten
Obwohl sich seit 1965 das Personal der „Gehobenen Dienste" (diplomiertes Personal) für Gesundheits- und Krankenpflege verdreifacht hat, wird der Bedarf von zurzeit ca. 20.000 Gesundheits- und KrankenpflegerInnen immer noch nicht ausreichend abgedeckt. Alleine in den letzten 15 Jahren haben sich die Beschäftigungszahlen in diesem Bereich um die Hälfte erhöht (Jahrbuch der Gesundheitsstatistik 2003). Vor allem diplomiertes Personal ist mehr gefragt denn je! Das Arbeitsmarktservice bestätigt den Personalengpass: „Aktuell können nicht alle Dienststellen besetzt werden. Insbesondere besteht bei den Dienstleistungseinrichtungen für alte Menschen ein Personalmangel, der sich zukünftig noch verstärken wird." (Stand Anfang 2005)
Zahlenmäßig lässt sich der Personalmangel durch offene Stellen derzeit noch schwer darstellen, da dazu kaum Daten vorliegen. Eine sehr vorsichtige Schätzung des Ludwig Boltzmann Instituts für Medizin und Gesundheitssoziologie ergibt alleine für den Langzeitpflegebereich (Alten- und Pflegeheime, Mobile Dienste) einen Fehlbestand von 1350 vollzeitbeschäftigten diplomierten Gesundheits- und KrankenpflegerInnen (GuKP)
3420 vollzeitbeschäftigten PflegehelferInnen/AltenfachbetreuerInnen 20 vollzeitbeschäftigten Hilfsdiensten
In Zukunft: ausreichende Pflege für kranke und pflegebedürftige ÖsterreicherInnen
VZa-Präsidentin Dr. Viktoria TISCHLER ist davon überzeugt, dass noch mehr Potential im Kampf gegen den Pflegenotstand verborgen liegt: „Wenn der Bedarf am Arbeitsmarkt langfristig gesichert werden soll, dann muss zum Beispiel auch die 15 Prozent Beschränkung für Arbeitskräfteüberlasser fallen." Laut Gesundheits- und Krankenpflegenovelle (GuKG Novelle 2005) dürfen nur 15 Prozent aller Gesundheits- und Krankenpflegepersonen durch Arbeitskräfteüberlasser überlassen werden. Für Dr. Viktoria TISCHLER muss aber auch die Einschränkung auf spezifische Berufsgruppen aufgehoben werden. Zurzeit sind der medizin-technische Dienst und viele andere medizinische Berufe nach wie vor von der GuKG Novelle ausgeschlossen.
Damit die Gesundheits- und Krankenpflege für die ÖsterreicherInnen nicht in einem Desaster endet, braucht es in Zukunft: hundertprozentige Rekrutierungsmöglichkeiten von qualifizierten MitarbeiterInnen durch Arbeitskräfteüberlasser aus allen Berufssparten und ein neues Ausbildungsgesetz.
Die Ausbildung zur diplomierten Krankenschwester ist erst ab dem 17. Lebensjahr möglich. Viele interessierte junge Menschen hängen in dieser Zeit in der Luft. Ausbildungsaktivitäten in berufsbegleitender Form, geeignete Wiedereinstiegsmöglichkeiten für Mütter, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder neue Pflegemodelle (wie etwa die mobile Pflege) würden die Negativspirale in der Kranken- und Gesundheitspflege nachhaltig beseitigen. Das zeigt ein im April dieses Jahres veröffentlichtes, wissenschaftliches Gutachten des Ludwig Boltzmann Instituts.
VZa-Präsidentin Dr. Viktoria TISCHLER : „Wir werden uns bestmöglich darum bemühen, unseren Teil im Kampf gegen den Pflegenotstand einzubringen, soweit das in den derzeitigen Rahmenbedingungen möglich ist. Und wir hoffen natürlich, dass wir auch in Zukunft immer mehr Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen von den Vorteilen der Arbeitskräfteüberlassung überzeugen können."


