„Nach der Krise wird es so viele Zeitarbeiter wie nie zuvor geben“
Innerbetriebliche Strukturen optimieren, Kundenbeziehungen pflegen und in die Qualifikation der internen Mitarbeiter investieren, empfiehlt Gerhard Flenreiss Zeitarbeitsfirmen zur Überbrückung der Wirtschaftskrise ...
Innerbetriebliche Strukturen optimieren, Kundenbeziehungen pflegen und in die Qualifikation der internen Mitarbeiter investieren, empfiehlt Gerhard Flenreiss Zeitarbeitsfirmen zur Überbrückung der Wirtschaftskrise. Der Berufsgruppensprecher der Personaldienstleister in der Wirtschaftskammer Österreich sieht aber auch viel Licht am Ende des Tunnels: Ist die Talsohle der Wirtschaftskrise einmal passiert, werden die Zuwachsraten der Zeitarbeit wieder steil bergauf zeigen.
Jede Krise birgt eine Chance, heißt es. Wie sieht diese in Zeiten der Wirtschaftskrise für die Zeitarbeit aus?
Gerhard Flenreiss: Einerseits sollten Zeitarbeitsunternehmen jetzt daran gehen, möglichst alle Möglichkeiten der Arbeitsmarktpolitik für sich auszuschöpfen, zum Beispiel wenn es darum geht, Förderungen für Qualifizierungsmaßnahmen auch für temporäre Mitarbeiter in Anspruch zu nehmen, um so langfristige Aufträge einzuholen. Zweitens ist es nun wichtig, Verantwortung für die Gestaltung des Arbeitsmarktes zu zeigen und Möglichkeiten wie Branchenstiftung, Bildungsfonds und die Zusammenarbeit mit dem AMS zu ergreifen. Hier steckt auch die Chance, als Zeitarbeits-Branche an Renommee zu gewinnen.
Was empfehlen Sie Personalbereitstellern, um die nächsten ein, zwei Jahre durchzutauchen?
Gerhard Flenreiss: Als erstes sollten innerbetriebliche Strukturen optimiert werden, allerdings mit Augenmaß, nicht zu Tode sparen. Unbedingt sinnvoll ist es zudem, intensiv Kundenbeziehungspflege zu betreiben und in die Qualifikation der Mitarbeiter zu investieren.
Stimmt das in den Medien immer wieder transportierte Bild von einer ganzen Branche in arger Bedrängnis eigentlich mit der Realität überein?
Gerhard Flenreiss: Die Wirtschafts- und Finanzkrise bedeutet keineswegs für alle Personaldienstleister gleich schwierige Zeiten. So etwa sind einzelne Sektoren besonders betroffen, wie etwa die Autozulieferindustrie. Dies bringt auch eine regionale Häufung von Zeitarbeiter-Abbau mit sich wie derzeit in der Steiermark. Dagegen ist die Situation in der Logisitik, Touristik und im technischen Bereich weit weniger angespannt. Qualifizierte Arbeitnehmer aus diesen Sektoren und Facharbeiter finden auch heute einen Job.
Was erwarten Sie sich für die Zeit nach der Krise?
Gerhard Flenreiss: Nach der schwierigen Phase werden so viele Zeitarbeiter beschäftigt sein wie nie zuvor. Unternehmen werden vorsichtig agieren und nicht beim ersten Anzeichen von Aufschwung die Stammbelegschaft aufstocken, sondern zunächst verstärkt auf zeitlich befristete Arbeitskräfte setzen. Auch werden sich in Folge der Konjunktureintrübung die Strukturen in den Betrieben verschlankt haben, sodass schon aus Kostengründen auf Zeitarbeit zurückgegriffen werden muss, zumindest vorübergehend.
Wie hoch schätzen Sie langfristig den "Flexibilisierungsbedarf" unserer Wirtschaft ein, derzeit liegt die Zeitarbeitsquote in Österreich bei 2,1 Prozent, in England ist sie mehr als doppelt so hoch.
Gerhard Flenreiss: Ich gehe davon aus, dass wir nach 2010 Zuwachsraten wie Ende der 1990er Jahre haben werden, also um die 20 Prozent. Zunächst einmal werden wir einen Anstieg von 10 bis 15 Prozent verzeichnen. Mit zunehmender Aufwärtsentwicklung sind aus meiner Sicht auch Anstiege von mehr als 20 Prozent pro Jahr möglich. 2012 bis 2015 halte ich eine Zeitarbeitsquote in Österreich von 3 Prozent und darüber für durchaus realistisch. Zumal in der Logistik, aber auch im Dienstleistungsbereich, speziell im Tourismus wie auch im öffentlichen Sektor noch einiges an Potenzial steckt.



